Der Zwang zum Untergewicht

 

Wie Magersüchtige sich im Internet motivieren

 

In so genannten Pro-Anorexie-Foren im Internet geben sich essgestörte Teenager gegenseitig Tipps, wie sie möglichst schnell möglichst dünn werden und ihre Krankheit vor ihrem Umfeld verbergen können.

 

"Dünn sein ist wichtiger als gesund sein", so lautet eines der Gebote, die auf den Pro-Ana-Seiten zu finden sind. Ana ist die Abkürzung von Anorexie, des medizinischen Begriffs für Magersucht. In den Pro-Ana-Internetforen ermutigen sich essgestörte Jugendliche, immer weiter abzunehmen. Sie solidarisieren sich gegen die von ihnen als aggressiv empfundenen Umwelt, die sie zum Essen zwingen will. Bilder von abgemagerten Models und Schauspielerinnen dienen der Motivation.

 

Die Aufnahme in ein solches Forum empfinden die Betroffenen als ein Zeichen von Exklusivität. Der Ernährungsmediziner Dr. Detlev Pape interpretiert diese anonymen Chats als "eine Anleitung zum selbst gefährdenden Verhalten mit Todesrisiko". Er ist der Meinung, dass der Gesetzgeber den "Schutz vor Suchtgefährdung" gewährleisten und diese Foren schließen muss.

 

Probleme, die zur Magersucht führen

 


Gründe, die zur Magersucht führen können, sind Probleme im Elternhaus. Oft sind Jugendliche betroffen, die geistig hohe Leistungen bringen und nur gute Zensuren bekommen. Die hohen Ansprüche an die eigene Person seien gepaart mit einer gestörten Entwicklung der Persönlichkeit, so der Experte. Die Folge sei Erschöpfung, weil das Hirn mangelernährt sei.
Auch junge Männer sind magersüchtig
Betroffen sind zwar vor allem junge Mädchen, doch auch immer mehr Jungen leiden unter Magersucht. Ein Hinweis für eine Erkrankung kann sein, wenn ein junger Mann jeden Tag übermäßig viel Sport treibt und immer dünner wird.
Als Auslöser der Magersucht genügen kleine Anstöße aus dem persönlichen Umfeld wie "du bist moppelig". Die Betroffenen beschließen, nichts mehr zu essen und werden mit der Zeit immer dünner, definieren ihren Körper dabei aber als normal. "Sie betrachten sich im Spiegel und finden sich fett, sie sehen Speckröllchen wo gar keine sind. Wir nennen das die Körper-Schema-Störung," so Pape.

 

15 Prozent der Erkrankten sterben.

 


Der Mediziner berichtet aus seiner Praxis, dass 15 Prozent der Erkrankten innerhalb von zehn Jahren sterben. Ein Teil der ehemals Magersüchtigen wird normalgewichtig und führt ein normales Leben. Andere bleiben magersüchtig mit extremem Untergewicht, das aber nicht lebensbedrohlich ist. Bei einigen Weiteren schlägt die Essstörung um, Fressanfälle und Adipositas, das heißt extremes Übergewicht, sind die Folge.

 

Wird die Magersucht offenbar, müssen die akut Betroffenen in ärztliche Behandlung. Liegt ein Notfall vor, werden sie mit einer Sonde zwangsernährt. Die Patienten sind oft unterkühlt und haben einen gefährlich niedrigen Puls. Manche Betroffene werden für mehrere Wochen oder Monate stationär aufgenommen, und sind am Anfang in einer geschlossenen Abteilung untergebracht. Sie müssen nach und nach das Essen wieder erlernen. Auch für die Nachbetreuung sollte auf jeden Fall ein Spezialist aufgesucht werden. Reguläre Hausärzte können nach Einschätzung des Experten den neurotischen Zwang zum Untergewicht nicht behandeln.

 

Reaktion der Eltern

 


Eltern sollten das Essverhalten ihrer Kinder genau beobachten. Die Magersüchtigen holen sich viele Anregungen aus dem Internet und lernen, ihr Umfeld zu täuschen: Sie schmieren zum Beispiel Wurst oder Käse auf ihren Teller, damit es so aussieht, als hätten sie etwas gegessen. Sie schütten Milch in ein Glas und wieder aus, bevor die Eltern zu Tisch kommen und behaupten, sie hätten schon ausgetrunken.

 

Der Mediziner rät den Eltern, die Probleme ernst zu nehmen und offen anzusprechen. Sie sollten darauf hinweisen, dass Sie das Essverhalten beobachtet haben: "Ich kann nicht dulden, dass du dich mangelernährst. Wenn du dich nicht änderst, musst du zur Therapie." Auch nach einem Gespräch ist es wichtig, das Gewicht des Kindes im Auge zu halten. In die Enge getrieben, erkläre es sich vielleicht bereit, wieder zu essen. Schreite die Gewichtsabnahme dennoch voran, müsse der oder die Betroffene in Behandlung, rät Dr. Pape.

 

 

Jeder Tag ist ein neuer Anfang!
Gratis bloggen bei
myblog.de